Geschichte der Bamberger Rudergesellschaft

Schon vor dem eigentlichen Gründungsjahre des Ruderclub Bamberg bestand in hiesiger Stadt eine zwanglose Vereinigung jünger Männer, die durch Betätigung des Rudersports die Muskeln stählten und den Körper kräftigten.

Aber wie ein Volk ohne Gesetz und Ordnung nichts bedeutet im Kreise der Staaten, so hatte jene zwanglose Vereinigung weder Gegenwart noch Zukunft, ehe sie nicht durch Statut und Gesetze zu einem festen Gefüge zusammengehalten wurde. In richtiger Erkenntnis und Würdigung dieses Grundsatzes vereinigten sich denn am 20. Mai 1884 im Dorfe Bug bei Bamberg die Herren: Andreas Messerschmitt, Andreas Ultsch, Ludwig Brüll und Hans Kröner und gründeten den Ruderclub Bamberg. So steht es geschrieben in der ersten Festschrift des Ruderclub Bamberg zum 25 jährigen Jubiläum.

Mit einer Mitgliederzahl von 9 Aktiven schloss das 1. Vereinsjahr, dessen Vorstandschaft von den Herren A. Messerschmitt (Vorstand) L. Brüll (Schriftführer) und H. Kröner (Kassier) gebildet wurde. Noch am Gründungstag wurde der breite Gigvierer „Bamberg“ gekauft, die Anschaffung weiterer Boote erforderte die Einrichtung einer Bootshalle. Im Juli 1884 wurde mit der Gesellschaft „Concordia“ ein Vertrag geschlossen, gegen eine Mietentschädigung von 50 M.

1890 beginnen erste Bemühungen, ein eigenes Bootshaus zu schaffen, die Erhöhung des Mietschillings von 50 M auf 300 M forcierten die Pläne, allerdings wurden alle Eingaben vom Kanalamt in Nürnberg abgelehnt. In den Folgejahren scheiterten alle Versuche, mit neuen Eingaben eine Genehmigung zu erhalten, ein eigenes Bootshaus zu bauen. 1902 wurde vom Kanalamt in Nürnberg sogar ein Befahren der „kanalisierten Regnitz“ von Bamberg bis Bug verboten, erst ein massiver Einspruch und das bezahlen einer jährlichen Gebühr von 60 M führten zur Rücknahme des Verbotes.

Im Jahre 1905 führte die, nach heutigen Begriffen, etwas engherzige Auslegung der Trainingsbestimmungen dazu, dass eine Anzahl Ruderkameraden dem Ruderclub Bamberg den Rücken kehrten, eine zweite Rudervereinigung, der Bamberger Ruderverein, wurde gegründet. Mit dem Jahre 1911 beginnt ein neuer Abschnitt in der Frage des Bootshausneubaues.

Der 1909 in Frankfurt am Main gegründete“ Regattaverein Regnitz“ hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Bamberger Ruderstrecke als „Deutsches Henley“ auszubauen, nicht ohne Schwierigkeiten, der Durchbruch gelingt erst, als König Ludwig III. sich einschaltet. Er verfügt, dass Badehaus „Salubritati“ abzureißen und an der gleichen Stelle das heutige Bootshaus der Bamberger Rudergesellschaft zu errichten.

1914 wird es fertiggestellt und in Anwesenheit von König Ludwig feierlich eingeweiht.

Die „Vereinler“, die Mitglieder des Bamberger Rudervereins waren in dieser Zeit nicht untätig, die aktiven Gründungsmitglieder Weisschnur, Kropf, Streitel, Hans Schmitt, Scheidel, Güssbacher, Pabst und Zöpfel bemühten sich um das Gartengrundstück von Herbergsvater Guth vom Riegelhof und bauten dort eine Bootshalle.

„Einigkeit macht stark“, in beiden Bamberger Vereinen fanden sich vernünftige Männer, 1938 entschloss man sich zur Zusammenlegung beider Vereine, die Gründung der „Bamberger Rudergesellschaft“ wurde am 23. Mai 1946 in das Vereinsregister in Bamberg eingetragen.

Das in der Wolfsschlucht von den „Vereinlern“ erbaute Bootshaus wurde im Rahmen der Fusion an die Stadt verkauft und im Jahre 1948 von mutwilligen Zerstörern bis auf das letzte Fensterkreuz ausgeschlachtet, in großartiger Gemeinschaftsarbeit wieder saniert und von der Bamberger Rudergesellschaft angemietet. Wer erinnert sich nicht an die rauschenden Feste in der Wolfsschlucht, Fasching im Bootshaus, das war in den Jahren 1948 bis 1952 ein Begriff in Bamberg.

Mit unermüdlichem Einsatz von Kameraden wie Joff Kochhafen und H.C. Thomas wurde die Bamberger Rudergesellschaft weiterentwickelt. Unter der Trainingsleitung von Heiner Kauffmann, Exeuropameister und Olympiasieger errudern die Kameraden Waldemar Beck und „Maggi“ Füssmann nicht nur Deutsche Meisterschaften, sie vertreten Bamberg sogar bei den Olympischen Spielen in Helsinki.

Als 1945 die amerikanischen Truppen in Bamberg einzogen, wurde das Bootshaus im Hain für die Ruderei gesperrt, Ende Dezember 1952 wurde es wieder freigegeben.

Das 75 jährige Bestehen der Bamberger Rudergesellschaft dauert drei Tage, illustre Gäste aus der deutschen Ruderei, an der Spitze der unermüdliche Präsident des Deutschen Ruderverbandes, Dr. Walter Wülfing, zahlreiche Vertreter von Stadt und Umland gaben sich ein gelungenes Stelldichein. Verdiente Männer der Rudergesellschaft wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Nur einer, dessen Verdienste um die Nachkriegsruderei auf der Regnitz ganz außer Frage stehen, konnte nicht mehr geehrt werden, „Onkel Joff“, Josef Kochhafen. Fast alle Mitglieder folgten seinem Sarg im Oktober 1958.

Die sehr erfolgreiche Trainerzeit von Heiner Kaufmann geht 1962 zu Ende, mit 198 Siegen für die Bamberger Rudergesellschaft, zwei Deutschen Meisterschaften, der Olympiateilnahme in Helsinki und der Teilnahme verschiedener Mannschaften an siegreich bestandenen Dreiländerkämpfen. Kurt Schmitt überbrückte für ein Jahr als Trainer die Ausbildung der Rennmannschaften, um dann das Megaphon an Helmut Schwerdtner weiter zu reichen.

Dieser bringt in seiner Trainerzeit mehrfache Bayerische- sowie 2 Deutsche-Vize-Meister hervor. Unter anderen trainiert er auch seinen Nachfolger Karl Heinz Beilstein, der Ende 1972 das Amt des Trainers übernimmt. Selbst ein sehr erfolgreicher Ruderer, erzielt er als Trainer mit der Rennmannschaft in den folgenden Jahren immer wieder Höchstleistungen. So kann die Bamberger Rudergesellschaft in den Jahren 1972 - 2011 stolz auf Bayerische Meister, Deutsche Meister und sogar WM-Teilnehmer zurückblicken. 2011 übergibt Karl Heinz Beilstein die Jugendrennmannschaft nach beinahe 40 Jahren erfolgreicher Trainerschaft an Rolf Stübner und Gerhard Ratzenberger, die das Training überbrücken bis Trainer Frank Wehle aus Potsdam wieder an die Regnitz zurückkehrt und das Amt übernimmt.

Um die Jugendarbeit zu verstärken wurde mit dem rührigen Protektor Dr. Parthe das sogenannte „Bamberger Modell“ in Verbindung mit dem Kaiser Heinrich-Gymnasium entworfen und mit großem Erfolg durchgeführt. Aus dieser Kooperation Schule und Verein geht ein ganz erfolgreicher Ruderer hervor, Michael Betz wird 1991 Vizeweltmeister der Junioren im Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes, dem Achter.

Heiner Kaufmann wurde 1965 von der Generalversammlung das Amt des Vorsitzenden übertragen, er wurde 1971 von Heinz Hätscher abgelöst, der das Amt bis 1986 begleitete. Heinz Hätscher wurde nach seiner Amtszeit nicht nur zum Ehrenmitglied gewählt, er wurde für sein herausragendes Engagement für die Bamberger Rudergesellschaft zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Manfred Meier folgt als Vorsitzender für die Jahre 1986 bis 1992, in seiner Amtszeit wird das Bootshaus für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht, die Gastronomie wird großzügig renoviert, der Gartenbetrieb des Bootshauses wird zu einem der schönsten „Bier-Keller“ Bambergs.

1992 folgt Peter Scholler als Vorsitzender, er schafft mit dem Neubau des Sanitärtraktes und großzügigem Bau von Hantelräumen, Sauna, Gymnastikhalle, die Voraussetzung, dass viele neue Mitglieder gewonnen werden können. Peter Scholler übergibt 2006 den Vorsitz wieder an Manfred Meier.

2009 wird die Bamberger Rudergesellschaft 125 Jahre alt.

125 Jahre BRG

Broschüre zur 125-jährigen Geschichte der BRG von 1884 bis heute.

Postkarte 1868
Concordia
Theresienhain
Wolfschlucht
Salubritati